Jedes Verhalten eines Kindes hat eine positive Absicht

positive Absicht

Jedes Verhalten eines Kindes hat eine positive Absicht

Jedes Verhalten hat eine positive Absicht, ist eine starke Behauptung. Und nur schwer zu glauben. Bestimmt fallen uns sofort viele Beispiele ein, bei denen es schwer vorstellbar ist, dass eine positive Absicht dahintersteckt. Genau wie in diesem Fall:

Es war einmal ein Junge von ca. 2,5 Jahren. Er war recht aufgeweckt.

Zum Ärgernis der Betreuerin nutze er jede Gelegenheit, um die Schublade einer Kommode aufzuziehen und wieder zuzuschieben. Ständig auf und zu, auf und zu. Die Betreuerin nervte das.

Sie tadelte das Verhalten des Jungen, sie erklärte ihm, dass die Schublade zubleiben soll – doch kaum hatte sie sich umgedreht, begann das Auf und Zu wieder. positive Absicht

Der Junge hatte genau verstanden, dass sein Verhalten unerwünscht war. Er forderte die Betreuerin regelrecht heraus. Sein verschmitzter Blick, den er aufsetze, wenn er gegen das Verbot handelte, verriet ihn.

Die Betreuerin war ratlos. positive Absicht

Dieses Verhalten sollte eine positive Absicht haben? Was daran sollte positiv sein?

positive AbsichtIn der Diskussion zwischen den Betreuern kam immer wieder der Gedanke nach einem Verlangen nach Anerkennung als Erklärung auf. Der Junge, so meinten sie, versucht die Aufmerksamkeit der Betreuerin zu erhaschen.

Eine Erklärung, die recht häufig gegeben wird. Doch ist dies wirklich der einzig mögliche Verhaltensgrund? positive Absicht

Die Reggio-Pädagogik sucht nicht nur nach einer Erklärung, denn das Kind hat 100 Sprachen, sich auszudrücken. Die Aufgabe der Betreuer ist es, nach vielen Absichtsmöglichkeiten zu forschen, auch nach ungewöhnlichen und unwahrscheinlichen.

Vielleicht will der Junge herausfinden, wie oft er sein Verhalten wiederholen muss, bis die Betreuerin genervt reagiert, vielleicht will er wissen, ob die Schublade immer so schwer aufgeht, vielleicht sucht er eine Möglichkeit seine Muskeln zu trainieren, vielleicht ist es ein Spiel, was er sonst zu Hause mit dem Vater spielt, vielleicht versteht er das Schimpfen als Spaß, vielleicht …, vielleicht …, vielleicht ….Was auch immer den Jungen konkret bewegt, die Gemeinsamkeit aller Erklärungsversuche lautet: „Er forscht“. positive Absicht

Nur dann, wenn wir als Betreuer wissen, was genau erforscht wird, können wir angemessen reagieren und eventuell dem Kind eine Alternative anbieten.

Doch wie bekommen wir raus, worin die positive Absicht besteht?

Es gibt nur einen Weg und dieser Weg heißt genaue Beobachtung. Das klingt leicht, ist es aber nicht. Fünf Kinder, meist im unterschiedlichen Alter, sind ständig im Auge zu behalten. Jedes dieser Kinder will seine Bedürfnisse befriedigt wissen.

Ganz bestimmt nicht leicht. Ein gute Beobachtungsfähigkeit und die klare Ternnung zwischen Beobachtung und Interpretation sind wichtige Kompetenzen während der Begleitung.

 

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