Die Reggio-Pädagogik bezieht Eltern aktiv ein

Wie es der Reggio-Pädagogik gelingt, Eltern aktiv einzubeziehen

Die Reggio-Pädagogik versteht sich als Familie auf Zeit. Daher werden auch die Eltern aktiv in das Gestaltung einbezogen.

Eltern streichen gemeinsam mit Erziehern und Kindern ein Zimmer neu. Das ist schon recht ungewöhnlich. In Kitas werden für eine solche Arbeit wohl eher Malerfirmen beauftragt. In der Kindertagespflege sind die Tagesmütter/-väter selbst verantwortlich. Manchmal gelingt es Eltern auf Anfrage und Bitten hin zur Hilfe zu mobilisieren. Doch Alltag ist das nicht. Und nun sollen auch die Kinder noch mitmachen?

Auch hinsichtlich der aktiven Rolle von Eltern geht die Reggio-Pädagogik eigene Wege. Wie bei allen Themen setzt sie auf gegenseitigen Respekt und Verantwortungsbewusstsein. Kinder, Eltern, Erzieher und Gesellschaft sind gleichermaßen am Wohlergehen der Kinder verantwortlich. Eine aktive Mitarbeit versteht sich daher von selbst.

Reggio-PädagogikObwohl es keine Regel gibt und kein allgemeingültiges Herangehen, hat sich in der Reggio-Pädagogik folgender Ablauf bewährt:

1. Erzieher und Kinder überlegen, was zu machen ist und entwickeln gemeinsam eine Vorstellung, wie das Endresultat aussehen soll. Wenn die Kinder etwas älter sind, wird eine Liste über die benötigten Materialien aufgestellt.

2. Dann werden die Eltern in die Pläne eingeweiht. Die Details werden abgesprochen und Aufgaben übernommen. Termine werden vereinbart.

3. Sind alle Vorbereitungen getroffen, geht es an die Umsetzung. Eltern, Erzieher und Kinder werden einbezogen und nehmen aktiv teil. Das Ergebnis ist eine Gemeinschaftsarbeit.

Das klingt sehr einfach. Können Sie sich ein solches Vorgehen und ein solches Ergebnis auch für Ihre Einrichtung vorstellen?

Was ist das Geheimnis der Reggio-Pädagogik in der Zusammenarbeit mit den Eltern?

Das Geheimnis heißt „Respekt“. Was zählt ist der Prozess, weniger das Ergebnis. Damit wird jeglicher Druck genommen. Doch nicht nur das. Das Ergebnis jeder einzelnen Arbeit wird wertgeschätzt. Da ist die Malerei eines dreijährigen Kindes genauso willkommen und wertvoll, wie das eines Künstlers. Die Reggianer zeigen, wie unterschiedliche „Werke“ zusammen harmonieren können.

Diese Atmosphäre wirkt positiv auf die Bereitschaft zur Mitarbeit zurück. Die Eltern werden zum Teil der Einrichtung. Wann immer sie die Einrichtung besuchen, entdecken sie einen Teil von sich selbst. Solche Prozesse verbinden.

Es ist daher auch wenig verwunderlich, dass Eltern und Großeltern die Einrichtung auch beschenken – mit Möbeln, mit Accessoires, Pflanzen und Geschirr.

Eltern gelten in der Reggio-Pädagogik als Experten

Viele meiner bekannten Tagesmütter beklagen sich über mangelnden Respekt und Anerkennung durch Eltern. Doch wie sieht es umgekehrt aus? Erhalten Eltern den Respekt, der ihnen zukommt? Die Reggio-Pädagogik kennt keine Elternschulungen, wie sie seit einigen Jahren in Deutschland angeboten werden.

Dennoch werden Fachkenntnisse der Pädagogen an Eltern weitergegeben. Doch nicht unter einer belehrenden Überschrift. Da sich Eltern und Erzieher als Familie auf Zeit verstehen, findet während des Alltages der Erfahrungsaustausch statt. Das schafft auf Dauer Vertrauen.

Related posts

Leave a Comment