Ein Tag in der Reggio – oder wie viel Plan darf es denn sein?

Tag in der Reggio

Ein Tag in der Reggio – oder wie viel Plan darf es denn sein?

Wie viel Konzept steckt in einem Tag in der Reggio?

Wird der Tag in der Reggio geplant?

Während meines Pädagogikstudiums lernte ich Stundenpläne mit genauer Zeitangabe zu fertigen. Im Minutentakt wurde geplant, wie viel Zeit, welche Aufgabe oder Übung in Anspruch nehmen soll. Gut war, wer seinen Plan möglichst genau einhielt.

Wenn nun Kindern viel Freiraum und viel Mitbestimmung gegeben wird, liegt die Vermutung nahe, dass der Tag in der Reggio planlos verläuft. Doch einem Tag in der Reggio liegt auch ein Plan zugrunde. Doch dieser steckt lediglich die Eckwerte ab.

So gibt es für Eltern und Erzieher Öffnungszeiten als Orientierungspunkte. Sowohl die Bringe- als auch die Abholzeiten erstrecken sich über 30 Minuten. Damit wird für die individuellen Verabschiedungsrituale genügend Zeit eingeräumt.

Auch gibt es feste Zeiten für das Mittagessen und die Ruhezeit.

Alle Zeiten dazwischen sind sehr flexibel gehalten. Das ergibt sich schon daraus, dass die Kinder so früh wie möglich ihren Tag in der Reggio mitgestalten. Dies ist für die Kinder gleichzeitig Herausforderung und Mitbestimmungsrecht. Frühzeitig wird so die Entscheidungsfähigkeit von Kindern als Handlungs- und Verhaltenskompetenz entwickelt.

Beispiel für einen Tag in der Reggio für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren

Ein Tag in der Reggio ist so verschieden, wie die Einrichtungen und die Kinder. Daher ist das folgende Beispiel tatsächlich nur ein Beispiel und der Tag in der Reggio in einer anderen Einrichtung kann anders verlaufen.

07:30 Uhr – Die Ankommenszeit

Die Einrichtung öffnet. Es wird angestrebt, dass alle Kinder bis 08:00 Uhr gebracht werden. Kinder und Eltern haben also bis zu einer ½ Stunden Zeit sich zu verabschieden.

Die Begrüßung der Kinder durch die Erzieherin findet im Foyer statt. Jedes Kind kann sehen, wer kommt und ob schon die beste Freundin oder der auserwählte Spielkamerad da ist.

Die Kinder verabschieden sich individuell von ihren Eltern. Manche Eltern nutzen die Zeit und verweilen noch in der Einrichtung. Andere haben es eilig – ein Kuss, ein lieber Gruß für den Tag und schon sind sie weg.

08:00 Uhr – Die Planung des Tagesablaufes

Die Kinder haben sich in ihrer Gruppe eingefunden. Jetzt ist Zeit gemeinsam mit der Erzieherin und Eltern, die länger bleiben, den Tag zu planen. So werden die Materialien für den Tag zusammengestellt. Die Kinder können sich einen Spielort ihrer Wahl im Haus oder auch im Garten aussuchen. Noch bis 09:00 Uhr können die Kinder ganz nach ihren Wünschen und momentanen Eingebungen spielen.

Inzwischen trifft auch die 2. Erzieherin für jede Gruppe ein.

09:00 Uhr – Das Gruppentreffen

Während eines kleines Fruchtsnackes wird den Gruppentreffen besprochen, womit sich die Kinder beschäftigen werden. Die Projekte werden entweder von den Kindern selbst vorgestellt oder von den Erwachsenen vorgeschlagen.

Die Aufgabe der Erwachsenen ist es, den Überblick zu behalten und dafür zu sorgen, dass alle Kinder im Laufe der Zeit mit viel „Sprachen“ in Kontakt kommen. Hierbei wird das Kind nie gezwungen, sondern es ist die Aufgabe der Erzieher über die Materialien den „Schlüssel“ für das Interesse jedes Kindes zu finden.

Die Materialien sind so vorbereitet, dass die Kinder selbstständig damit arbeiten können und der Erzieher sich auf seine Aufgabe – das Beobachten und Dokumentieren – konzentrieren kann.

Die Projektarbeit kann im Zimmer oder auch draußen im Garten stattfinden.

11:30 Uhr – Das Mittagessen

Das Mittagessen wurde zwischenzeitlich gekocht und die Esstische dekoriert.

Nach dem Essen räumt jedes Kind seinen Platz auf und hilft, dass alles wieder sauber ist.

12:30 – Die Ruhephase

Alle Kinder legen sich hin und ruhen sich aus. Manche schlafen ein, andere entspannen nur. Es werden Geschichten erzählt und auf kleine individuelle Schlafrituale geachtet. Größere Kinder übernehmen eine kleine Mitverantwortung, in dem sie helfen die Schlafplätze aufzubauen.

13:00 – Die Mittagspause für die Erzieher

Die Mittagspause steht den Erziehern nicht nur für das Mittagsessen zur Verfügung. Es ist auch die Zeit, die Erlebnisse des Vormittags auszutauschen und zu besprechen. Die ersten Dokumentationen für die Eltern werden erarbeitet.

15:00 Uhr – Die Aufwachphase

Die Kinder ziehen sich nun wieder an und helfen den Schlafraum aufzuräumen.Tag in der Reggio

15:30 Uhr – Die Abholzeit

Schon 15:30 Uhr werden die ersten Kinder abgeholt. Die Abholzeit zieht sich bis in den Spätdienst hinein. Manche Eltern verbleiben noch in der Einrichtung. Nutzen die Zeit für Gespräche mit anderen Eltern oder Erziehern, sehen sich die Tagesdokumentationen mit ihren Kindern an.

Die Kinder können während der Zeit frei spielen und einen einen Nachmittagssnack einnehmen.

16:00 bis 18:00 Uhr – Die Spätdienstbetreuung

Für Eltern, die später von der Arbeit kommen, steht der Spätdienst zur Verfügung. Die Kinder können bis 18:00 Uhr betreut werden.

 

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